gefunden werden
“Hallo?”, rief ich in die Dunkelheit, wobei ich weder ausmachen konnte, woher meine Stimme kam, noch, bis wohin sie reichte. “Hallo?”, rief ich noch einmal, etwas leiser. Ich begann zu zweifeln, war nicht mehr sicher. Vielleicht hatte sich meine Stimme schon längst in der Dunkelheit, die sehnsüchtig nach mir rief, verloren. Angst, sie niemals wieder zu finden, gesellte sich zu all der Angst, die bereits in mir wohnte.
Schwere Gedanken begannen, mich zu zerreißen. Ohne sie wäre es vielleicht leichter für mich, doch ich konnte sie nicht gehen lassen. Sie waren das Letzte, was mir bei all dem noch blieb.
Verzweifelt versuchte ich, voran zu kommen. Es wurde dunkler und ich konnte nicht mehr erkennen, ob ich mich überhaupt bewegte. Wie sollte ich auch, wenn da nichts war, um mich zu orientieren. Irgendwann ließ selbst die Angst von mir ab und ich... ich fühlte nichts mehr. Mir dämmerte, es war so weit, ich war endgültig verloren und bereit, mich aufzugeben.
Hungrig stürzte sich die Dunkelheit auf mich, nie war sie satt genug. Sie verschlang, was noch von mir über war, spuckte aus, was ihr nicht gefiel.
Erschrocken stellte ich fest, dass es nicht die Dunkelheit war, die nach mir gerufen hatte. Es war etwas anderes - eine Stimme. Ich hielt inne, glaubte kaum, dass es möglich war. Ich war doch schon fast aufgelöst.
"Hier steckst du also”, hörte ich sie sagen.
"Du... du hast nach mir gesucht?"
"Natürlich", die Stimme strahlte mich an.
"Aber", ich schluckte, "wie konntest du mich in dieser Dunkelheit finden?"
"Ich finde dich immer gut - selbst dann, wenn du es gerade nicht kannst."
"Das... das wusste ich nicht."
"Du weißt es." Sie nahm mich in ihren Arm, "Manchmal aber gibst du dir größte Mühe, es zu vergessen."